Glückwünsche zum 100. Geburtstag von Prof. Dr. Gertrud Weismantel (1916-1989) am 17. Juni 2016



Liebe Alumni, liebe Studierende,  
am 9.11.1989 ist Frau Prof. Dr. Gertrud Weismantel ganz plötzlich im Alter von 73 Jahren verstorben. Als Nachfolgerin auf ihrem Lehrstuhl am Institut für Kunstpädagogik seit 1984 hatte ich sie noch vor allem bei dem gemeinsamen Promotionsverfahren unserer Pädagogischen Mitarbeiterin Maike Aissen-Crewett (die spätere Professorin in Potsdam) kennen- und schätzen gelernt.
Das Gedenken zu dem 100. Geburtstag an eine der wenigen früheren Professorinnen der Goethe-Universität ist mir ein besonderes Anliegen und ich freue mich, dass ihr früherer Kollege Professor Wolf Spemann für den Uni-Report eine Erinnerung an sie verfasst hat – für die er allerdings sehr strickte Platzvorgaben einhalten musste. Im Internet finden sich leider nur Informationen über ihren berühmten Vater Leo Weismantel, aber in meinen Unterlagen habe ich wenigstens noch den Text meiner Ansprache bei ihrer Beerdigung als damalige Prädekanin für den Fachbereich Klassische Philologie und Kunstwissenschaften gefunden, aus dem ihre Persönlichkeit und ihre wissenschaftliche Position vielleicht etwas plastischer erkennbar werden. Ich würde mich freuen, wenn sich durch diese Anregung über das Alumni-Netzwerk  auch noch weitere ehemalige Kolleginnen und Kollegen oder ehemalige Studierende zu Wort melden würden – diese erinnern sich vielleicht besonders an ihre letzten Veranstaltungen zum Puppenspiel am Institut. Frau Weismantel wurde zwar schon vor mehr als 25 Jahren 1982 emeritiert – aber vielleicht haben wir ja Glück und können noch einige Spuren ausfindig machen! 
Adelheid Sievert (-Staudte), geb. 1944, 1980-1984 Professorin für Kunstdidaktik der Primarstufe an der Universität Gießen, 1984-2009 o. Professorin für Kunstpädagogik an der Goethe-Universität Frankfurt am Main


Zum Gedenken an Professor Dr. Gertrud Weismantel (1916–1989)
von Prof. Dr. Wolf Spemann veröffentlicht im
UniReport | Nr. 3 | 3. Juni 2016 | Jahrgang 49 | Goethe-Universität Frankfurt am Main, S. 22.

Am 17. Juni diesen Jahres ist der 100. Geburtstag von Frau Professor Weismantel. Sie hat über 40 Jahre unser Institut für Kunstpädagogik entscheidend mit geprägt und den FB 9 Klassische Philologie und Kunstwissenschaften beeinflusst. Darum soll ihr dieser Rückblick gewidmet sein. Beruflich war ihr Lebensziel, mitzuwirken an einer Änderung der Schule, damit Kinder und Jugendliche mehr Freude am schulischen Lernen haben. Nach dem Abitur 1935 wollte sie alle Institutionen kennenlernen, die vom Kindergarten an ein Kind beeinflussen. Danach studierte sie in Würzburg und München Volkskunde, Kunstgeschichte und Pädagogik. 1943 promovierte sie in Volkskunde. Seit 1947 vertrat sie in der Hessischen Lehrerbildung das Fach Werken in Jugenheim (Bergstraße), bis sie am 01.01.1964 an unsere Universität kam. Am 04.03.1970 wurde sie zur ordentlichen Professorin für Kunsterziehung
ernannt. Gleichzeitig erhielt sie den Auftrag, ein Pilotprojekt für das Fach Polytechnik
zu konzipieren. 1967 hatte sie einen breit angelegten Aufsatz „Werken in der Schule der Zukunft“ veröffentlicht, der einen handwerklich-technischen Teil vorsah. Sie meinte, die Hauptschüler kann man nur engagieren, wenn man ihnen Aufgaben gibt, an denen sie von sich aus großes Interesse haben: Ein Moped zerlegen, daran Physik, Mathematik und Chemie lernen, um es wieder zusammenzubauen. Sie dachte nie in ausgefahrenen Gleisen. Die Unerschrockenheit, mit der Gertrud Weismantel ihren Vater, den Reformpädagogen Leo Weismantel 1944 in einem Sonderlager der GESTAPO in Würzburg besuchte, hat sie auch 1968 gezeigt. Während andere Professoren sich rarmachten, ging sie als Einzige zu einer institutsinternen Vollversammlung und diskutierte mit den aufgebrachten Studenten und Studentinnen. Sie war zum Dialog bereit, ohne von ihrer Überzeugung abzuweichen. Nach ihrer Emeritierung 1982 hat sie bis zu ihrem Tod Ende 1989 weiter an unserem Institut gelehrt. Ihr gebührt unser herzlicher Dank.

Wolf Spemann
Ansprache zur Trauerfeier
für Frau Prof. Dr. Gertrud Weismantel
am 15.11.1989 in Jugenheim/Bergstraße
Ich möchte im Namen des Fachbereichs Klassische Philologie und Kunstwissenschaften der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt als Prädekanin hier sprechen, zu dem das Institut für Kunstpädagogik  gehört. Zugleich aber auch als die Nachfolgerin auf dem Lehrstuhl für Kunstpädagogik von Gertrud Weismantel. Ich verdanke es sicher auch ihrem Wirken und ihrem Vorbild, daß diese Stelle wieder mit einer Frau besetzt wurde.
Ich habe drei Kollegen in Frankfurt, die den beruflichen Lebensweg von Frau Weismantel vom "Haus am Wald" hier in Jugenheim bis nach Frankfurt mit ihr geteilt und mit ihr zusammen erlebt haben. Uns alle möchte ich hier an diesen Teil ihres beruflichen Lebens erinnern, der zugleich ein Beispiel dafür ist, wie unmittelbar in den vergangenen 30 Jahren bildungspolitische Entscheidungen die Entwicklung der Fachdidaktiken immer wieder von außen her lenkend mitbestimmt haben. Ganz und gar kein abgeschiedener Elfenbeinturm also - sondern für Frau Weismantel von Anfang an ein Leben in der praktischen Wissenschaft, die 0rientierung für pädagogisches  Handeln geben will, wie sie es schon im Elternhaus erfahren hatte.
Ich habe schon das "Haus am Wald" des Pädagogischen Instituts in Jugenheim erwähnt, wo noch unter einem Dach Leben und Arbeiten mit Studentenwohnheim, Werkstätten und Seminarräumen vereint waren. AIs Professorin für Werkerziehung hat hier Frau Weismantel diesem Fach ein eigenständiges Gesicht gegeben, hier hat sie das verwirklichen können, was für sie den bildenden Gehalt dieses Faches ausmachte - in Theorie und Praxis, in intensiver Auseinandersetzung mit Kopf, Herz und Hand, wie schon Pestalozzi gefordert hatte.
Es scheint mir nicht zufällig, daß sie gerade dieses Fach aus dem Spektrum der sog. "musischen Fächer" vertreten hat, verbindet es doch in paradigmatischer Weise die klassische Dreiheit des Zugangs zur Bildung: die ästhetische, die wissenschaftlich-rationale und die ethisch-moralische Bildung.
Den Prozeß  der "Verwissenschaftlichung" der Lehrerbildung hat sie in allen seinen aus heutiger Sicht durchaus korrekturbedürftigen Polarisierungen miterlebt und -erlitten. Zum Erleiden zählte für sie selbst die Eliminierung der Werkerziehung aus dem Fächerkatalog der Lehrerbildung 1964 und die Auseinandersetzungen um die Entwicklung der Polytechnischen Bildung in Hessen. Dabei stand sie dem neuen Bezugsfeld der Technik durchaus aufgeschlossen gegenüber und leitete nach der Integration der Lehrerbildung in die Frankfurter Universität zunächst einen Modellversuch zur Polytechnik. Erst als sie den Eindruck gewann, daß dieses Fach in der Hauptschule ohne den für sie unverzichtbaren schülerbezogenen praktischen Kern etabliert werden sollte, beendete sie diese Arbeit, da sie sich immer in erster Linie dem Erziehungsauftrag ihres Faches verpflichtet fühlte.
Auch in den heftigen Diskussionen um die Weiterentwicklung der Kunst- und Werkerziehung Ende der 60er Jahre  in Frankfurt hat sie sich mit diesem pädagogischen Engagement im Sinne einer praktischen Menschenbildung eingesetzt und mit großer Zivilcourage den Dialog mit anderen Positionen aufgenommen. Auch wenn das Ergebnis nicht immer zum Konsens führte, Respekt und Achtung für ihr eigenständiges unerschrockenes  Auftreten waren ihr sicher. So habe auch ich sie nach ihrer Emeritierung kennen und schätzen gelernt als eine Kollegin, die den sicher für niemanden einfachen Übergang aus dem Amt und die Übernahme  des eigenen Wirkungsbereiches durch eine Nachfolgerin mit großer Souveränität und Offenheit gelebt hat.
Sie wissen alle, daß sie bis zuletzt mit unverminderter Schaffensenergie gearbeitet hat - dies galt auch für ihre Vorlesungen und Oberseminare im Institut für Kunstpädagogik,  die für sie bis zuletzt eine lebendige und belebende Aufgabe waren - und für alle ihre Studentinnen und Studenten ein geistiger und menschlicher Gewinn. Auch ihr letztes Projekt einer Inszenierung eines Puppenspiels, das nun ohne sie zu Ende geführt werden muß, verdeutlicht noch einmal exemplarisch ihre spezifische Vorstellung von kindorientierter ästhetischer Bildung. Am Beispiel von "Momo" sollte das Problem der Zeit in unserer Zeit in kindgerechter Darstellungsform wirksam werden - wir werden versuchen, es in ihrem Sinne zu einem guten Abschluß  zu bringen.
Das gleiche gilt für ihr Angebot, sich an unserer Veröffentlichung  einer Ringvorlesung zur Kunstpädagogik in Frankfurt zu beteiligen - auch hier werden wir versuchen, sie in ihrem Sinne zu beteiligen.
Ihre weiteren und durchaus schon konkreten Pläne für ein Kindermuseum, in die sie auch uns einbezogen hatte, wurden hier schon angesprochen. Wir alle stehen hier ja in der gleichen Situation: Frau Weismantel ist mitten aus einem erfüllten Leben von uns gegangen - ihr sind damit die schmerzhaften Erfahrungen des Altwerdens erspart geblieben - wir müssen nun sehen, wie wir die begonnenen Projekte in ihrem Sinne verwirklichen können.
Ich glaube, daß dieser realitätsorientierte Umgang mit dem Verlust ihren eigenen Vorstellungen ganz gut entspricht. So ganzheitlich wie sie die Pädagogik begriffen hat, so ganzheitlich hat sie auch ihr Leben begriffen: realistisch, mit klaren vorwärts gerichteten Zielvorstellungen - Realutopien könnte man sagen - getragen von einem Vertrauen in die eigenen Kräfte der Überzeugung und gestärkt durch eine religiös fundierte Weltsicht.
Sie wird uns fehlen. Wir werden sie vermissen und wir werden uns nach Kräften bemühen, ihre Arbeit in Frankfurt lebendig weiterzuführen.

Prof. Dr. Adelheid Staudte
Institut für Kunstpädagogik
Fachbereich Klassische Philologie und Kunstwissenschaften
Johann Wolfgang Goethe-Universität





14. Alumni-Treffen am 9. Februar 2016




Liebe Ehemalige und Studierende des Instituts für Kunstpädagogik!

Zum Abschluss des Wintersemesters 2015/2016 hat ab 16 Uhr am 9. Januar 2016 im Institut in der Sophienstraße unser 14. Alumni-Treffen stattgefunden – dass es diesmal der Fastnachtsdienstag war, blieb jedoch ohne Auswirkungen. Aline von der Assen, die weiterhin die Organisation der Alumni-Initiative Kunstpädagogik betreut, hat uns dabei fotografiert und auch die Fotocollage
gestaltet.

Seit unserem letzten Treffen haben wir ja mehrfach über unsere facebook-Seite über Gruppen- und Einzelausstellungen von Alumni informiert – wir machen das gern, wenn Sie uns Ihre Einladungen rechtzeitig vorher zusenden. Im Herbst hatten wir so auch bereits mit einem Nachruf von Professor Schütz über den Tod unseres langjährigen Dozenten und Honorarprofessors Jean-Christophe Ammann berichtet, der mit seinen Lehrgesprächen vor dem Original im Museum viele Generationen von Studierenden für die zeitgenössische Kunst gewonnen hat. Doch inzwischen gibt es auch einige gute neue Nachrichten: So hat Daniela Colic im November ihre Promotion bei ihrem „Doktorvater“ Georg Peez mit sehr gutem Erfolg abgeschlossen, mehrere Alumni hatten ja an ihren Befragungen zum Einfluss der universitären Bildungsphase und der Biografie auf die Entwicklung kunstpädagogischer Professionalität mitgewirkt. Inzwischen ist sie als Referendarin in Rheinland-Pfalz tätig. Fabian Hofmann, ebenfalls von Prof. Dr. Georg Peez betreut, hat während seiner Mitarbeit im kunstpädagogischen Team der Schirn Kunsthalle mehrfach Lehraufträge am Institut mit durchgeführt und Praktika betreut. Er wurde zum Wintersemester 2014/15 als Professor für ästhetische Bildung und Erziehung in der Kindheit an die Fliedner Fachhochschule Düsseldorf berufen nachdem er zeitgleich seine Promotion im Februar 2015 ebenfalls mit „sehr gut“ abgeschlossen hatte.
Prof. Dr. Christina Griebel, die einige Zeit als Doktorandin und als Mitarbeiterin im Bereich Grundlagen der Malerei an unserem Institut tätig war, wechselte zum Sommersemester 2015 von Heidelberg/Berlin auf die neu geschaffene Professur für Kunstdidaktik an die Staatliche Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe.
Grit Weber, die 2002 ihr kunstpädagogisches Studium mit einer Magisterarbeit über „Bilder von Jugendlichen in der zeitgenössischen Fotografie“ (an Beispielen von Larry Clark, Rineke Dijkstra und Nina Schmitz) bei uns abgeschlossen hatte und seither u.a. in der Kunstabteilung der Dresdner Bank und beim Journal Frankfurt tätig war, ist seit 2015 stellvertretende Direktorin am Museum für Angewandte Kunst MAK in Frankfurt am Main.
Wie ich bereits im Sommer berichtetet habe, ist der „Gisèle-Freund-Platz“ inzwischen im Wegeplan der Goethe-Universität eingetragen, die damals vorgesehene feierliche Eröffnung ist jedoch noch nicht erfolgt. Bereits im September 2015 hatte ich auf Anfrage auch einen 2001 erstmals veröffentlichten Text zur Fotografin Gisèle Freund ergänzt und aktualisiert für eine geplante Publikation des Cornelia-Goethe-Centrums zur „Geschichte von Frauen und Wissenschaft im 100. Jahr der Goethe-Universität“ abgeliefert, die bisher auch noch nicht erschienen ist… Wir werden die weitere Entwicklung dieser Projekte beobachten!

 

Besuch bei Prof. Albert Kiefer (97 Jahre!) in Rastatt
Im Vordergrund neue Experimente mit Drahtgittern

Ende Oktober 2015 habe ich endlich meinen lange versprochenen Besuch bei unserem ältesten „Ehemaligen“ Professor Albert Kiefer gemacht, von dem ich hiermit alle die ihn kennen herzlich grüße. Er lebt  weiterhin mit Unterstützung einer Hausfrau in seinem Haus in Rastatt, erfreut sich guter Gesundheit und beginnt täglich schon am frühen Morgen mit seiner künstlerischen Arbeit, die er, unterbrochen von einem kleinen Spaziergang und einer Mittagspause, bis in den Abend fortsetzt! Als ich ihn jetzt am Tag nach unserem Alumni-Treffen am Telefon erreichte, berichtete er von den Vorbereitungen für eine neue Ausstellung in einer Buchhandlung in Rastatt und einem Essen mit seinen drei Kindern auf der Bühler Höhe im Schwarzwald. Anlässlich der großen Retrospektive im Centre Pompidou,  Paris (bis 18.4.2016) zum 70. (!) Geburtstag seines Sohnes Anselm Kiefer ist übrigens ein sehr lesenswertes Gespräch mit dem Künstler von Heinz-Norbert Jocks im „Kunstforum international“ Bd. 238 Februar-März 2016, S.222ff. erschienen.

Ebenfalls sehr herzliche Grüße konnte ich von unserer Alumna Frau Irmgart Zoehrlaut in Darmstadt übermitteln, die leider gesundheitlich nicht in der Lage ist, uns zu einem Treffen zu besuchen, aber sich wie Herr Professor Kiefer auch über interessierte Besucherinnen und Besucher freuen würde.

Beim Blättern in unseren Alumni-Akten war mir ja im vorigen Jahr aufgefallen, dass am 17. Juni der 100. Geburtstag unserer früheren Kollegin Frau Professor Dr. Gertrud Weismantel wäre. Inzwischen hat sich unserer Kollege Professor Wolf Spemann bereit erklärt, zu diesem besonderen Tag eine Würdigung für die Goethe-Universität zu verfassen.

Über aktuelle Entwicklungen im Institut informierte anschließend Georg Peez. So wurde die Professur für Malerei und Grafik im letzten Sommer ausgeschrieben, die Berufungskommission hat mehrmals getagt und zu Anfang des Sommersemesters 2016 werden voraussichtlich die universitätsöffentlichen Vorträge der Bewerberinnen und Bewerber stattfinden. Die ehemals separaten Professuren für Grafik und für Malerei wurden - wie bereits vor fast zehn Jahren beschlossen - zu einer Professur zusammengelegt. Weiterhin ist der Master-Studiengang in Arbeit, der den auslaufenden Magisterstudiengang ersetzen soll. Das Akkreditierungsverfahren ist äußerst bürokratisch, um dieses kümmert sich federführend Frau Prof. Dr. Birgit Richard (Schwerpunkt Neue Medien) und ihr Team. In Hinblick auf einen möglichen Umzug des Instituts auf den Campus Westend gibt es derzeit keine Neuigkeiten.
Georg Peez berichtete ebenfalls noch davon, dass die schon seit vielen Jahrzehnten existierende letzte volle Abordnungsstelle einer Lehrerin beziehungsweise eines Lehrers an das Institut von der sogenannten "Akademie für Bildungsforschung und Lehrerbildung" (ABL) der Goethe-Universität um die Hälfte gekürzt wurde, was eine starke Schwächung der Fachdidaktik am Institut bedeutet. Die gestrichene Hälfte der Stelle schlägt sich der Fachbereich Erziehungswissenschaft der Universität zu. Alle Proteste hiergegen haben leider nichts geholfen. So schwächen die Erziehungswissenschaften der Universität bewusst die Fachdidaktiken einzelner, vor allem kleiner Fächer.

Prof. Dr. Otfried Schütz  berichtete über den sehr erfolgreichen Verlauf seiner – wie immer neu erarbeiteten und dann frei vorgetragenen - Vorlesung ‚Primitivismus‘ und die Kunst des 20. Jahrhunderts im Rahmen der Universität des 3. Lebensalters.

Aline von der Assen und Jutta Heun stellten den inzwischen fertig gestellten Katalog zu ihrem  Mail Art Projekt „The Magic Cube“ vor, der die Ausstellungen in New York und Frankfurt mit insgesamt knapp 60 künstlerischen Positionen zum Thema Zeit zusammenfasst. Der Katalog enthält Abbildungen aller künstlerischen Arbeiten, Textbeiträge von Aline von der Assen und Jutta Heun und ein ausführliches Gespräch mit Jean-Christophe Ammann, das noch kurz vor seinem Tod geführt wurde. Der Katalog ist über Amazon erhältlich: Fundamental Ephemeris: Internationale Mail-Art-Ausstellung New York – Frankfurt. ISBN-10: 3738650695.
Aktuelle Ausstellungsprojekte von Aline von der Assen sind unter www.fundamentalephemeris.wordpress.com einsehbar.
Jutta Heun berichtete zudem auch von ihrem gelungenen Künstleraustausch
mit der Galerie Taller Gravura aus Malaga. Aufgrund des Erfolgs wurde sie zu einer weiteren Ausstellung nach Malaga eingeladen. Außerdem plant sie dort in einer Projektgalerie am Hafen einen Künstlerworkshop mit anschließender Einladung zu einem Rundgang. Auf nach Andalusien!

In der anschließenden Gesprächsrunde stellten sich die anwesenden Alumni mit ihren aktuellen Vorhaben, beruflichen Veränderungen und Perspektiven vor, aus denen sich dann wieder interessierte Gespräche entwickelten. Abschließend konnten noch einmal die ausgelegten großformatigen Ausstellungsplakate, Kunstposter und didaktischen Lehrmaterialien meiner Sammlung gesichtet und gegen kleine Spenden zur weiteren Verwendung mitgenommen werden.

 
Um 19 Uhr wechselten die meisten in die Halle, um dort die Eröffnung der jährlichen Abschlussausstellung nicht zu versäumen.
Das nächste Treffen der Alumni-Initiative Kunstpädagogik findet vermutlich „wie immer“ am Ende des nächsten Semesters statt, der genaue Termin steht aber noch nicht fest. Den neuen Termin wie auch alle weiteren aktuellen Mitteilungen und Berichte der Alumni-Initiative können Sie direkt über unseren Blog abrufen und natürlich auch kommentieren.

Außerdem sind wir auch bei Facebook aktiv – Sie finden uns dort unter
“Ehemalige des Kunstinstituts Frankfurt a.M.“




Mit herzlichen Grüßen aus der “Kunstfabrik“


Prof.(em.) Dr. Adelheid Sievert



Teilnehmerinnen und Teilnehmer des 14. Treffens der Alumni:
Aline von der Assen, Guido Blume, Dr. Kerstin Bußmann, Helga Franke-Schafarczyk, Brigitte Groganz, Raul Gschrey, Jutta Heun, Vera Kartschewski, Jens Lay, Joachim Menniken, Prof. Dr. Georg Peez, Andrea Pöschko, Dr. Angelika Schmidt-Herwig, Prof. Dr. Otfried Schütz, Prof. Dr. Adelheid Sievert


Foto: Dieter Hoffmeister
Foto: Dieter Hoffmeister





Als ich Mitte September endlich in Venedig ankam, um dort wie alle zwei Jahre die Biennale zu besuchen, entdeckten mein Mann und ich zufällig die  Ausstellung "The Light, The Shade, The Depth" der Koreanerin Minjung Kim - kuratiert von Jean-Christoph Ammann! (www.luxembourgdayan.com) Da im Erdgeschoss ein Video der Künstlerin im Gespräch mit Ammann gezeigt wurde und die Künstlerin auch anwesend war, sprach ich sie an und erzählte, daß ich aus Frankfurt von dem Institut komme, in dem ihr Kurator viele Jahre als Honorarprofessor gelehrt hatte und sie schenkte mir ihren Ammann gewidmeten Ausstellungskatalog mit einem einführenden Text von ihm. Erst bei meiner Rückkehr erfuhr ich erschrocken, dass Jean-Christophe Ammann zu dieser Zeit bereits gestorben war und mit Hilfe von Volker Bunte, auch einem unserer Alumni, fanden wir dieses Video im Internet - in seiner Frankfurter Wohnung sein vielleicht letzten dokumentiertes Künstlergespräch (Minjung Kim in Conversation with Jean-Christophe Ammann by Enrico on 3. April 2015 Vernissage.TV)! (Der Beitrag kann unter folgender URL abgerufen werden: http://vernissage.tv/2015/04/03/minjung-kim-in-conversation-with-jean-christophe-ammann/)
Mein Kollege Professor Otfried Schütz, der seinerzeit den jungen Direktor des MMK zunächst als Dozenten für unser Institut gewonnen hatte und dann auch die Initiative zur Honorarprofessur zum Erfolg führte, war sofort bereit, für uns auch diesen Nachruf zu verfassenden - ganz herzlichen Dank auch dafür!

Ihre

Prof. Dr. Adelheid Sievert



Im September 2015 starb Jean-Christophe Ammann, Kollege und vielgerühmter Vermittler der zeitgenössischen Kunst, nach langer Krankheit in Frankfurt. Seit 1992 nahm er an unserem Institut einen Lehrauftrag wahr, mit dem er viele Studierende an die zeitgenössische Kunst, die er in seinem von ihm geführten Museum für Moderne Kunst präsentierte, heranführte. Er schaffte nicht selten das Kunststück, sprechen über das Unaussprechliche der Kunst zu lehren – unvergessen sind seine fast prophetischen Auftritte, in denen seine Gestik, Formulierungen  und Einfühlung vor den Artefakten auf den Zuhörer übersprangen. Daneben suchte er immer wieder den Kontakt zu Künstlern und künstlerisch tätigen Kollegen, aus deren Gesprächen sein Kernsatz der Kunstbetrachtung resultierte: ‚…auch so (wie der Künstler, O.S.) denken können’. Das empfahl ihn nachdrücklich für eine dauerhafte Einbindung in unser Institut, dem auch die Entscheidungsgremien zustimmten: 1998 wurde er auf Antrag des Institutes für Kunstpädagogik von der Universität zum Honorarprofessor ernannt. Gegen die Bedenken der Universitätsleitung verlegte ich seine Antrittsvorlesung in sein Museum und ich konnte in meiner Einführung als Dekan auch seine besonderen didaktischen Fähigkeiten herausstellen – in der anschließenden Vorlesung thematisierte er dann erotische Bildmotive in der japanischen Kunst, was teilweise lautstarke Kommentare einiger Zuhörer provozierte. Aber ikonographische Grenzüberschreitungen waren ihm eine Pflicht und Passion zugleich, womit er auch seine Arbeit im Museum immer wieder neu begründete und was ihm einen breiten Zuspruch bei seinen  Zuhörern sicherte. Für Generationen von Studierenden der Kunstpädagogik bleiben seine persönliche Begeisterung für das Lehrgespräch vor dem Original im Museum zugleich Vorbild und Ansporn, das Verständnis für die zeitgenössische Kunst weiter zu geben.

Prof. Dr. Otfried Schütz