Liebe Ehemalige und Studierende des Instituts für Kunstpädagogik!

Zum Abschluss des Sommersemesters 2016 hat am Dienstag, den 12. Juli 2016 im Institut in der Sophienstraße unser 15. Alumni-Treffen stattgefunden – diesmal bei schönstem, noch nicht zu heißen Sommerwetter! Aline von der Assen, die seit zwei Jahren die Organisation der Alumni-Initiative Kunstpädagogik betreut, hat uns wieder dabei fotografiert und auch die Fotocollage
gestaltet. Anstelle der weißen Kaffeetafel war auch diesmal in der Mitte meine Sammlung von Ausstellungs- und Kunstplakaten zur Auflösung ausgebreitet.

Zu Beginn berichtete ich wieder über Alumni-Aktivitäten und Ereignisse seit unserem letzten Treffen. Auch diesmal hatte ich Ende März Professor Albert Kiefer im Namen der Alumni zu seinem Geburtstag gratuliert, den er „in körperlicher und geistiger Frische feiern durfte“ – so die örtliche Presse. Danach schickte er mir folgende Nachricht  in einem eigenhändig geschriebenen Brief: „Am 2. Mai 2016 fand in der Sibylla Augusta Buchhandlung Rastatt eine Ausstellung mit den neuesten Arbeiten von Albert Kiefer zu seinem 98. Geburtstag statt. (…) Der Oberbürgermeister Hans Jürgen Pütsch ehrte Albert Kiefer als ältesten Einwohner Niederbühls“ - seinem fast lebenslangen Wohnort in Rastatt, denn aus dem Elternhaus, das sein Vater in den Zwanzigerjahren gebaut hat, ist er auch während seiner Lehrtätigkeit an der Goethe-Universität in Frankfurt nie ausgezogen.

Auch Professor Dr. Otfried Schütz hatte ich im Namen der Alumni herzlich zu seinem 81. Geburtstag am 11. April gratuliert – leider konnte er  diesmal wegen eines anderen Termins nicht zu unserem Treffen kommen.


Zum Gedenken an den 100. Geburtstag von Professor Dr. Gertrud Weismantel (1916 -1989) am 17. Juni  2016 wurde im UniReport  ein Nachruf von Professor Dr. Wolf Spemann veröffentlicht. Diesen Text haben wir bereits im Juni mit unseren „Glückwünschen zum 100. Geburtstag“ und weiteren Materialien und Fotos per E-mail an alle Alumni verschickt, verbunden mit dem Wunsch, dass sich aufgrund dieser Erinnerungen noch weitere ehemalige Kolleginnen und Kollegen oder ehemalige Studierende von ihr zu Wort melden würden. Frau Professor Weismantel wurde zwar schon vor mehr als 25 Jahren 1982 emeritiert – aber  vielleicht haben wir ja Glück und können noch einige Spuren ausfindig machen! (Hinweise bitte per E-mail oder Brief direkt an mich schicken: profsievert@web.de)




Am 3. Juli feierte dann Professor Dr. Wolf Spemann seinen 85. Geburtstag, zu dem wir ihm mit einem symbolträchtigen Treppenmotiv – einer  Schneckentreppe von 1574 im Deutschordensschloß Bad Mergentheim -  ganz herzlich gratuliert haben. Zu seiner Feier in Wiesbaden konnte er zu seiner Freude die Gäste mit den Worten begrüßen: „Es ist sehr schön, dass 15 meiner ehemaligen Studentinnen und Studenten gekommen sind. Ebenso viele haben geschrieben, weil sie aus unterschiedlichen Gründen nicht kommen können. Die Pädagogik war für mich über dreißig Jahre die Pflicht und die Bildhauerei die Kür. Dass aus dieser Pflicht so viele gute Verbindungen gewachsen sind, ist für mich ein Geschenk.“

Anfang Juni habe ich in Kassel auch unseren ehemaligen „aktions“-pädagogischen Mitarbeiter aus den 90iger Jahren Werner Zülch im sehr empfehlenswerten neuen Museum der „Grimmwelt“ getroffen. Bereits 1987 hatte ich ihn zum ersten Mal zufällig bei einer Aktion zur Documenta in der Karlsaue erlebt – nun bereitet er mit seinem AktionsTheaterKassel zum Herbst ein Fest zum 30jährigen Bestehen seines freien Theaters vor. „Feste feiern“ war schon der legendäre Titel seines letzten Seminars 1998 im Frankfurter Institut gewesen. Jetzt sind zwei seiner Produktionen „Windgeflüster – eine Tanzaktion für Kinder ab 6 Jahren und Erwachsene“ und „Ente, Tod und Tulpe nach dem Bilderbuch von Wolf Erlbruch  für alle, die über das Leben und den Tod nachdenken“ als eine Gastspielförderung durch das Land Hessen zu buchen und zu finanzieren:
„Das AktionsTheaterKassel wird für Gastspiele in hessischen Regionen zur Förderung von Theater-Angeboten vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst bis zu 50% der Gage gefördert! Dieses gilt nicht in größeren hessischen Städten, die über ein eigenes Theater verfügen. Mehr: www.aktionstheaterkassel.com  post@aktionstheaterkassel.com

Seit Beginn des Jahres ist Professor Georg Peez wieder Geschäftsführender Direktor des Instituts. In seinem Bericht über aktuelle Entwicklungen hob er zwei Aspekte besonders hervor. Zum einen ist die Besetzung der Professur für Malerei und Grafik inzwischen auf einem guten Weg. Der Senat der Universität wird voraussichtlich in seiner Sitzung im September über die Gutachten und die Vorschlagsliste für die Besetzung der Professur entscheiden. Für das Wintersemester ist vorgesehen, dass die erstplatzierte Person auf dieser Liste bereits in Form einer Vertretungsprofessur vorläufig die Tätigkeit aufnehmen wird, vorbehaltlich der danach zu führenden Berufungsverhandlungen würde dann die Besetzung dieser Schlüsselprofessur am Institut im Laufe des Wintersemesters 2016/17 erfolgen.
Die zweite sehr positive Nachricht ist, dass inzwischen die architektonische Planung des Neubaus für die noch am Campus Bockenheim befindlichen Institute des Fachbereichs 09 so gut wie abgeschlossen ist. In diesen Neubau wird auch das Institut für Kunstpädagogik einziehen und dort große und helle Seminarräume, Ateliers und Werkstätten für alle Schwerpunkte beziehen können. Wann dieser Neubau fertig wird, ist allerdings noch nicht absehbar, derzeit wird das Jahr 2021 genannt.




Ab 17 Uhr besuchte uns zum persönlichen Kennenlernen Herr Andreas Eckel, der seit dem letzten Jahr als Leiter der Privaten Hochschulförderung zentral die „Goethe Alumni – das Netzwerk für alle Ehemaligen der Goethe-Universität“ betreut. Als ehemaliger Student der Erziehungswissenschaften im „Turm“ und damit selbst Alumnus verbindet er sehr positive Studienerinnerungen mit unserem Institut und hier insbesondere mit der Teilnahme an künstlerischen Übungen im Bereich Plastik im „Keller“. Sehr sympathisch und überzeugend stellte er damit sofort Interesse und Nähe zum aktuellen Studium im Fach Kunst her, die wir für die bessere Einbindung in die universitäre Struktur nutzen sollten. So machte er das Angebot, dass er in Zukunft junge Absolventen mit dem Fach Kunstpädagogik  über seine zentrale Datenbank herausfiltern und  zu unseren Alumni-Treffen direkt einladen könne. Ebenso würden alle angemeldeten Alumni bereits jetzt von ihm zentral zur Alumni-Lounge und anderen Alumni-Veranstaltungen eingeladen werden. Da diese Datenbank ältere Anmeldungen leider nicht erfasst, sollten sich alle „älteren“ unserer Alumni-Initiative Kunstpädagogik bitte direkt noch einmal bei der zentralen Startseite der Goethe-Alumni anmelden!! (www.alumni.uni-frankfurt.de oder www.uni-frankfurt.de)

Insbesondere sein eigenes Arbeitsfeld Kulturmanagement wird sicher auch weiterhin in Karriere-Workshops und Vorträgen mit Veranstaltungen präsent sein. Das kostenlose Netzwerk ist erreichbar über XING (Alumni der Goethe-Universität Frankfurt am Main) und auf LinkedIn (Goethe University Frankfurt Alumni). Da diesmal leider keine Semesterausstellung im Haus zu sehen war, versprach er seinen Besuch bei der nächsten Jahresausstellung zum Ende des Wintersemesters. Möglicherweise ergibt sich dann auch eine Präsentation der Ausstellungen im Rahmen der zentralen Angebote für Alumni und Förderer der Goethe-Universität.

Anschließend erläuterte Pagona Paul die von ihr mitgebrachten neuen Produkte, die die Praunheimer Werkstätten in Fechenheim vertreiben und insbesondere die von den Praunheimer Künstlern mit Zeichnungen versehenen Taschen fanden zahlreiche Abnehmerinnen. Aufgrund der detaillierten Nachfragen hat Pagona für uns einige Information zusammengestellt, die wir am Ende dieses Berichtes anfügen.

Ich hatte schon eingangs berichtet, dass Petra Saltuari absagte wegen einer Preisverleihung  zur gleichen Zeit durch die 1822er Sparkasse im Römer  für ihr „Klavierprojekt“. Da auch hier weiterer Informationsbedarf bestand, fügen wir auch ihre Erläuterungen, die sie dann noch unmittelbar vor ihrem Abflug in den Urlaub verfasste, unserem Bericht an.

Abschließend fanden noch einmal einige der ausgelegten Ausstellungsplakate und Kunstposter neue Interessenten – allerdings sind immer noch nicht alle Schubladen gelehrt.
Mit angeregten Gesprächen endete dieser Nachmittag, da diesmal keine für alle geöffneten Ausstellungen im Institut angeboten wurden.

Das nächste Treffen der Alumni-Initiative Kunstpädagogik findet vermutlich „wie immer“ am Ende des nächsten Semesters zusammen mit der Semesterausstellung statt, der genaue Termin steht aber noch nicht fest. Den neuen Termin wie auch alle weiteren aktuellen Mitteilungen und Berichte der Alumni-Initiative können Sie direkt über unseren Blog abrufen und natürlich auch kommentieren.

Außerdem sind wir auch bei Facebook aktiv – Sie finden uns dort unter
“Ehemalige des Kunstinstituts Frankfurt a.M.“

Mit herzlichen Grüßen aus der “Kunstfabrik“

Prof. (em.) Dr. Adelheid Sievert

Teilnehmerinnen und Teilnehmer des 15. Treffens:
Aline von der Assen, Julia Fürtig, Angelika Grünberg, Jutta Heun, Jens Lay, Hanna Miller, Pagona Paul, Prof. Dr. Georg Peez, Andreas Eckel, Prof. Dr. Adelheid Sievert


Die Infos von Pagona Paul

Produkte der Praunheimer Werkstatt/Fechenheim

- 6 verschieden farbige Tassen, für jeweils 12,50 Euro,
- Leinentaschen (100 Baumwolle und Motiv - Siebdruck), Kurz und Langhenklig,
für 3,00 Euro,
- eine Brotbox, für 3,95 Euro.

Zu diesen Produkten verkaufen wir auch viele Bilder in Form von Farbdrucken,
in der Größe 25 x 25 cm, für 4,90 Euro.





Alle Motive, die auf den verschiedenen Produkten zu sehen sind, wurden von unseren "Künstlern mit Behinderung", entworfen und gestaltet. Die Idee, der Vervielfältigung, ist im pw-Kunstatelier-Fechenheim entstanden. Das Atelier besuchen die talentierten Künstler über viele Jahre, und bekommen damit die Möglichkeit Ihr künstlerisches Können weiter zu entfalten.

Wer sich für die die einzelnen Produkte interessiert, die er kaufen möchte, wendet sich bitte an diese Kontaktperson:

Herr Micheal Löw - Vertrieb in der Praunheimer Werkstatt/Fechenheim,
Telefon: 069 - 942180-11 (-0 Zentrale)



Die Infos von Petra Saltuari

„Freiluftklavier“ im Frankfurter Westen wurde mit dem Bürgerpreis der Stadt Frankfurt prämiert







Am 12.7.16 wurde der Bürgerpreis der Stadt Frankfurt und der Stiftung der Frankfurter Sparkasse im Kaisersaal des Römers verliehen.
Die Musikschule Clavina von Aristo Khosrobeik und die Praxis „Mehr Raum und Zeit für mich“ von Dr. Petra Saltuari (Alumni der Kunstpädagik) erhielten die Auszeichnung für ihren gemeinschaftlichen Einsatz, Kunst und Musik im öffentlichen Raum zu verbinden. Inspiriert von ähnlichen Aktionen, die es unter anderem in großen Metropolen wie New York und Paris gab, wurden 2015 drei zuvor farblich gestaltete Klaviere als „Freiluftklaviere“ aufgestellt und somit einige Wochen für jedefrau und jedermann zugänglich und bespielbar.
Der Sinn dahinter war, Menschen zusammenzubringen und eine Verbindung zu schaffen durch das Medium der Kunst und der Musik. Die bunt gestalteten Klaviere luden ein auf ihnen zu spielen. Es gab viele überraschende Momente. Menschen haben sich spontan zusammengefunden und gemeinsam gespielt, improvisiert, haben zugehört und applaudiert. Auch die Aktion der Bemalung unter der Begleitung Petra Saltuari war für die Mädchen und Jungen, meist Teilnehmer des „freien Ateliers“ von Frau Saltuari etwas Außergewöhliches. Wer bemalt schon ein Klavier?
Interessant war auch, dass die Klaviere nicht durch Vandalismus beschädigt wurden, obwohl Frankfurt Höchst nicht gerade als besonders friedliches Pflaster gilt. Lediglich die Witterung hat den guten Stücken zusetzt, so dass letztendlich nur eines der drei Klaviere „überlebte“. Und 2016 wurde die Aktion mit zwei weiteren Klavieren wiederholt.

www.kunsttherapie-saltuari.de


Glückwünsche zum 100. Geburtstag von Prof. Dr. Gertrud Weismantel (1916-1989) am 17. Juni 2016



Liebe Alumni, liebe Studierende,  
am 9.11.1989 ist Frau Prof. Dr. Gertrud Weismantel ganz plötzlich im Alter von 73 Jahren verstorben. Als Nachfolgerin auf ihrem Lehrstuhl am Institut für Kunstpädagogik seit 1984 hatte ich sie noch vor allem bei dem gemeinsamen Promotionsverfahren unserer Pädagogischen Mitarbeiterin Maike Aissen-Crewett (die spätere Professorin in Potsdam) kennen- und schätzen gelernt.
Das Gedenken zu dem 100. Geburtstag an eine der wenigen früheren Professorinnen der Goethe-Universität ist mir ein besonderes Anliegen und ich freue mich, dass ihr früherer Kollege Professor Wolf Spemann für den Uni-Report eine Erinnerung an sie verfasst hat – für die er allerdings sehr strickte Platzvorgaben einhalten musste. Im Internet finden sich leider nur Informationen über ihren berühmten Vater Leo Weismantel, aber in meinen Unterlagen habe ich wenigstens noch den Text meiner Ansprache bei ihrer Beerdigung als damalige Prädekanin für den Fachbereich Klassische Philologie und Kunstwissenschaften gefunden, aus dem ihre Persönlichkeit und ihre wissenschaftliche Position vielleicht etwas plastischer erkennbar werden. Ich würde mich freuen, wenn sich durch diese Anregung über das Alumni-Netzwerk  auch noch weitere ehemalige Kolleginnen und Kollegen oder ehemalige Studierende zu Wort melden würden – diese erinnern sich vielleicht besonders an ihre letzten Veranstaltungen zum Puppenspiel am Institut. Frau Weismantel wurde zwar schon vor mehr als 25 Jahren 1982 emeritiert – aber vielleicht haben wir ja Glück und können noch einige Spuren ausfindig machen! 
Adelheid Sievert (-Staudte), geb. 1944, 1980-1984 Professorin für Kunstdidaktik der Primarstufe an der Universität Gießen, 1984-2009 o. Professorin für Kunstpädagogik an der Goethe-Universität Frankfurt am Main


Zum Gedenken an Professor Dr. Gertrud Weismantel (1916–1989)
von Prof. Dr. Wolf Spemann veröffentlicht im
UniReport | Nr. 3 | 3. Juni 2016 | Jahrgang 49 | Goethe-Universität Frankfurt am Main, S. 22.

Am 17. Juni diesen Jahres ist der 100. Geburtstag von Frau Professor Weismantel. Sie hat über 40 Jahre unser Institut für Kunstpädagogik entscheidend mit geprägt und den FB 9 Klassische Philologie und Kunstwissenschaften beeinflusst. Darum soll ihr dieser Rückblick gewidmet sein. Beruflich war ihr Lebensziel, mitzuwirken an einer Änderung der Schule, damit Kinder und Jugendliche mehr Freude am schulischen Lernen haben. Nach dem Abitur 1935 wollte sie alle Institutionen kennenlernen, die vom Kindergarten an ein Kind beeinflussen. Danach studierte sie in Würzburg und München Volkskunde, Kunstgeschichte und Pädagogik. 1943 promovierte sie in Volkskunde. Seit 1947 vertrat sie in der Hessischen Lehrerbildung das Fach Werken in Jugenheim (Bergstraße), bis sie am 01.01.1964 an unsere Universität kam. Am 04.03.1970 wurde sie zur ordentlichen Professorin für Kunsterziehung
ernannt. Gleichzeitig erhielt sie den Auftrag, ein Pilotprojekt für das Fach Polytechnik
zu konzipieren. 1967 hatte sie einen breit angelegten Aufsatz „Werken in der Schule der Zukunft“ veröffentlicht, der einen handwerklich-technischen Teil vorsah. Sie meinte, die Hauptschüler kann man nur engagieren, wenn man ihnen Aufgaben gibt, an denen sie von sich aus großes Interesse haben: Ein Moped zerlegen, daran Physik, Mathematik und Chemie lernen, um es wieder zusammenzubauen. Sie dachte nie in ausgefahrenen Gleisen. Die Unerschrockenheit, mit der Gertrud Weismantel ihren Vater, den Reformpädagogen Leo Weismantel 1944 in einem Sonderlager der GESTAPO in Würzburg besuchte, hat sie auch 1968 gezeigt. Während andere Professoren sich rarmachten, ging sie als Einzige zu einer institutsinternen Vollversammlung und diskutierte mit den aufgebrachten Studenten und Studentinnen. Sie war zum Dialog bereit, ohne von ihrer Überzeugung abzuweichen. Nach ihrer Emeritierung 1982 hat sie bis zu ihrem Tod Ende 1989 weiter an unserem Institut gelehrt. Ihr gebührt unser herzlicher Dank.

Wolf Spemann
Ansprache zur Trauerfeier
für Frau Prof. Dr. Gertrud Weismantel
am 15.11.1989 in Jugenheim/Bergstraße
Ich möchte im Namen des Fachbereichs Klassische Philologie und Kunstwissenschaften der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt als Prädekanin hier sprechen, zu dem das Institut für Kunstpädagogik  gehört. Zugleich aber auch als die Nachfolgerin auf dem Lehrstuhl für Kunstpädagogik von Gertrud Weismantel. Ich verdanke es sicher auch ihrem Wirken und ihrem Vorbild, daß diese Stelle wieder mit einer Frau besetzt wurde.
Ich habe drei Kollegen in Frankfurt, die den beruflichen Lebensweg von Frau Weismantel vom "Haus am Wald" hier in Jugenheim bis nach Frankfurt mit ihr geteilt und mit ihr zusammen erlebt haben. Uns alle möchte ich hier an diesen Teil ihres beruflichen Lebens erinnern, der zugleich ein Beispiel dafür ist, wie unmittelbar in den vergangenen 30 Jahren bildungspolitische Entscheidungen die Entwicklung der Fachdidaktiken immer wieder von außen her lenkend mitbestimmt haben. Ganz und gar kein abgeschiedener Elfenbeinturm also - sondern für Frau Weismantel von Anfang an ein Leben in der praktischen Wissenschaft, die 0rientierung für pädagogisches  Handeln geben will, wie sie es schon im Elternhaus erfahren hatte.
Ich habe schon das "Haus am Wald" des Pädagogischen Instituts in Jugenheim erwähnt, wo noch unter einem Dach Leben und Arbeiten mit Studentenwohnheim, Werkstätten und Seminarräumen vereint waren. AIs Professorin für Werkerziehung hat hier Frau Weismantel diesem Fach ein eigenständiges Gesicht gegeben, hier hat sie das verwirklichen können, was für sie den bildenden Gehalt dieses Faches ausmachte - in Theorie und Praxis, in intensiver Auseinandersetzung mit Kopf, Herz und Hand, wie schon Pestalozzi gefordert hatte.
Es scheint mir nicht zufällig, daß sie gerade dieses Fach aus dem Spektrum der sog. "musischen Fächer" vertreten hat, verbindet es doch in paradigmatischer Weise die klassische Dreiheit des Zugangs zur Bildung: die ästhetische, die wissenschaftlich-rationale und die ethisch-moralische Bildung.
Den Prozeß  der "Verwissenschaftlichung" der Lehrerbildung hat sie in allen seinen aus heutiger Sicht durchaus korrekturbedürftigen Polarisierungen miterlebt und -erlitten. Zum Erleiden zählte für sie selbst die Eliminierung der Werkerziehung aus dem Fächerkatalog der Lehrerbildung 1964 und die Auseinandersetzungen um die Entwicklung der Polytechnischen Bildung in Hessen. Dabei stand sie dem neuen Bezugsfeld der Technik durchaus aufgeschlossen gegenüber und leitete nach der Integration der Lehrerbildung in die Frankfurter Universität zunächst einen Modellversuch zur Polytechnik. Erst als sie den Eindruck gewann, daß dieses Fach in der Hauptschule ohne den für sie unverzichtbaren schülerbezogenen praktischen Kern etabliert werden sollte, beendete sie diese Arbeit, da sie sich immer in erster Linie dem Erziehungsauftrag ihres Faches verpflichtet fühlte.
Auch in den heftigen Diskussionen um die Weiterentwicklung der Kunst- und Werkerziehung Ende der 60er Jahre  in Frankfurt hat sie sich mit diesem pädagogischen Engagement im Sinne einer praktischen Menschenbildung eingesetzt und mit großer Zivilcourage den Dialog mit anderen Positionen aufgenommen. Auch wenn das Ergebnis nicht immer zum Konsens führte, Respekt und Achtung für ihr eigenständiges unerschrockenes  Auftreten waren ihr sicher. So habe auch ich sie nach ihrer Emeritierung kennen und schätzen gelernt als eine Kollegin, die den sicher für niemanden einfachen Übergang aus dem Amt und die Übernahme  des eigenen Wirkungsbereiches durch eine Nachfolgerin mit großer Souveränität und Offenheit gelebt hat.
Sie wissen alle, daß sie bis zuletzt mit unverminderter Schaffensenergie gearbeitet hat - dies galt auch für ihre Vorlesungen und Oberseminare im Institut für Kunstpädagogik,  die für sie bis zuletzt eine lebendige und belebende Aufgabe waren - und für alle ihre Studentinnen und Studenten ein geistiger und menschlicher Gewinn. Auch ihr letztes Projekt einer Inszenierung eines Puppenspiels, das nun ohne sie zu Ende geführt werden muß, verdeutlicht noch einmal exemplarisch ihre spezifische Vorstellung von kindorientierter ästhetischer Bildung. Am Beispiel von "Momo" sollte das Problem der Zeit in unserer Zeit in kindgerechter Darstellungsform wirksam werden - wir werden versuchen, es in ihrem Sinne zu einem guten Abschluß  zu bringen.
Das gleiche gilt für ihr Angebot, sich an unserer Veröffentlichung  einer Ringvorlesung zur Kunstpädagogik in Frankfurt zu beteiligen - auch hier werden wir versuchen, sie in ihrem Sinne zu beteiligen.
Ihre weiteren und durchaus schon konkreten Pläne für ein Kindermuseum, in die sie auch uns einbezogen hatte, wurden hier schon angesprochen. Wir alle stehen hier ja in der gleichen Situation: Frau Weismantel ist mitten aus einem erfüllten Leben von uns gegangen - ihr sind damit die schmerzhaften Erfahrungen des Altwerdens erspart geblieben - wir müssen nun sehen, wie wir die begonnenen Projekte in ihrem Sinne verwirklichen können.
Ich glaube, daß dieser realitätsorientierte Umgang mit dem Verlust ihren eigenen Vorstellungen ganz gut entspricht. So ganzheitlich wie sie die Pädagogik begriffen hat, so ganzheitlich hat sie auch ihr Leben begriffen: realistisch, mit klaren vorwärts gerichteten Zielvorstellungen - Realutopien könnte man sagen - getragen von einem Vertrauen in die eigenen Kräfte der Überzeugung und gestärkt durch eine religiös fundierte Weltsicht.
Sie wird uns fehlen. Wir werden sie vermissen und wir werden uns nach Kräften bemühen, ihre Arbeit in Frankfurt lebendig weiterzuführen.

Prof. Dr. Adelheid Staudte
Institut für Kunstpädagogik
Fachbereich Klassische Philologie und Kunstwissenschaften
Johann Wolfgang Goethe-Universität